Die Halbinsel von Karaburun liegt an dem Eingang der Bucht von Izmir und ist als solches schon immer von verschiedenen Kulturen bewohnt worden. Aus alten Quellen wissen wir, dass die Halbinsel in der Antike unter dem Namen Mimas bekannt war. Ausgrabungen in der Nähe von Çakmaktepe haben Gerätschaften wie Schneidewerkzeuge, Steinäxte und Topfscherben aus dem Kalkolithikum (4000 v. Chr.) ans Licht gebracht. Rund 3000 v.Chr. waren die Hittiter auf der Halbinsel ansässig. Danach geriet die Karaburuner Halbinsel nacheinander unter den Einfluss der alten Griechen, der Perser, den Römer und den Byzantiner. In der Antike gewann die Halbinsel grosse ökonomische Bedeutung durch die an der Westküste liegende Stadt Erythrai. Während der Römischen Herrschaft ging dieser Wohlstand verloren und erst unter Byzanz lebte die Region wieder auf. 

Zwischen 1086 und 1095 brachte der Feldherr Çaka Bey die Karaburuner Halbinsel zum ersten Mal und für eine kurze Zeit unter der Kontrolle des Seldjukenreiches. Nach 1095 wurde die Halbinsel wieder ein Teil des Byzantinischen Reiches, bis zur Zeit der Seldjukenherrscher sie durch Aydinoglu Mehmet Bey dessen Sultanat einverleibt wurde.  Unter Sultan Yildirim Beyazit, wurde die Halbinsel bis zur Schlacht von Ankara in 1402 Teil des Osmanischen Reiches. Danach gehörte es wieder zum Sultanat Aydinogullari. Nach der Periode des Osmanischen Interregnums schloss Sultan Mehmet Çelebi die Region zum zweiten Mal dem Osmanischen Reich an (1425-1426). Während des Osmanischen Interregnums war die Halbinsel ein Nährboden für die Philosophie des Sheikh Bedrettin’s, dessen Gedankengut sein Nachfolger Börklüce Mustapha verbreitete. 

Unter der Osmanischen Herrschaft hing die Karaburuner Halbinsel von der Ägäischen Staatsverwaltung in Izmir ab. Bis 1867 war Karaburun ein vom Staatsverwaltungszentrum in Izmir abhängiger Unterkreis. 1868 wurde es vom Kreis Çesme verwaltet und erhielt 1900 den Status eines Kreises.  

Während des 1.Weltkrieges wurde die Halbinsel von 23. Mai 1919 bis 17. September 1923 von der griechischen Armee besetzt.  Nach dem Ende der Besetzung war auch die ansässige griechisch-orthodoxe Bevölkerung gezwungen, die Karaburuner Halbinsel zu verlassen. Dies verursachte eine Reihe von tief greifenden Veränderungen im ökonomischen und sozialen Leben der Halbinsel. Nach der Aussiedlung der griechischen Bevölkerung sank die Bevölkerungsanzahl dramatisch. In den Jahren danach verlor die Halbinsel an Einfluss und heutzutage gibt es nur in den Sommermonate etwas mehr Betrieb.  

Die Tatsache, dass die Karaburuner Halbinsel ziemlich gebirgig ist und nur wenige für den Landwirtschaft geeignete Flächen hat, ist schon immer ein Hindernis für die Entwicklung der Halbinsel gewesen. Deswegen wurden auch nie grössere Ortschaften gebaut. Aus der Seldjukenperiode wurden keine Bauten gefunden und wegen der Erdbeben sind nur noch ein paar Moscheen und alte Brunnen aus der Osmanischen Zeit geblieben. Ein grosser Teil dieses Kulturerbes ist schwer beschädigt, während andere mehr oder weniger starke Veränderungen erlitten haben.  

Der weltbekannte Seeman Piri Reis (16. Jahrhundert) gibt in seinem Kitab-i Bahriye detaillierte Informationen über die Küste von Karaburun. Der Türkische Reisende Evliya Çelebi, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte, hat Karaburun besucht und beschrieb die Stadt als “Einkommensquelle des Mollahs von Izmir, ein Ort mit einer Moschee, einem Türkischen Bad, 7 Geschäften und umgeben von Olivenhainen und Weingärten”. 

Bis heute wurden nur sehr wenige Bücher oder sonstige Manuskripte über Karaburun veröffentlicht. Das einzige Werk, dass die Existenz von Bauwerken erwähnt, ist das “Kulturinventar der Provinz Izmir - Çesme-Karaburun”, dass von der Direktion für Kultur der Provinz Izmir herausgegeben wurde. Dieses Werk beschreibt 16 Moscheen, eine Brücke sowie 30 Brunnen. Ein anderes Dokument ist das Buch “Karaburun” (1996), dass durch Baris Güntürkün und Cahit Telci geschrieben wurde und wofür die Autoren die Osmanischen Jahrbücher als Informationsquelle nutzten.

Karaburun, oder “Mimas” mit dem alten Namen, wird in der alten Griechischen Mythologie verschiedene Male erwähnt. In seiner Dichtung über Odysseus spricht Homer vom “windigen Mimas” womit er das Bozdag-Gebirge meint. Der alte Name Mimas führt uns zur mythologischen Geschichte, in der die Giganten gegen die Götter des Pantheons Krieg führten. Während dieses Streits kämpften Zeus und Pallas Athena gegen den Riesen Mimas, einen der meist gefürchteten Giganten. Mimas obsiegte fast, aber Hephaestus warf eine Masse aus glühendem Eisen, Stahl und Kupfer über ihn, die Mimas  tödlich traf. Damit der Gigant niemals wieder aufstehen würde, begrub Hephaestus ihn unter den grossen Bozdag-Berg, der danach den Namen Mimas erhielt. 

Die Karaburuner Halbinsel ist seit alten Zeiten bekannt für den kräftigen Wind in den Wintermonaten. Durch die Jahrhunderte wurden viele Windmühlen gebaut, von denen nur noch die Ruinen übrig geblieben sind. In der nahen Zukunft wird durch den Bau von Windkraftanlagen diese natürliche Engeriequelle für die Erzeugung von Elektrizität wieder genutzt werden. 

Eine Verbindung wird gesehen zwischen den auf der Karaburuner Halbinsel wachsenden Narzissen und der mythologischen Geschichte vom schönen Jüngling Narzissus. Danach soll Narzissus der Sohn der Flussgöttin Nana sein. Seine Schönheit war so vollkommen, dass sogar Zeus an dem Jüngling interessiert gewesen sein soll. Aber der junge Narzissus hatte kein Auge für die Liebe der jungen Mädchen und anderen Jünglinge und genoss nur das sorgenlose Leben der Jagd in den Hügeln von Mimas. Echo, eine der Bergnymphen und Tochter von Zeus, verliebte sich in Narzissus. Aber Narzissus verschmähte sie und Echo starb an ihrer unerwiderten Liebe. Die Göttin Nemesis war sehr empört über den Tod von Echo und beschloss Narzissus zu bestrafen, indem sie ihn in sein eigenes Spiegelbild, dass er im Brunnen betrachtete, verliebt machte. Verliebt in sein eigenes Bild starb Narzissus vor Liebeskummer und man erzählt, dass dort wo er gestorben ist, die Göttin Flora die Narzissen blühen liess.  

Eine andere mythologische Geschichte erzählt von der Göttin Hera, der Gemahlin von Zeus. Sie bekam von der Göttin Irýs (Thaumantia mit ihrem anderen Namen, Göttin des Regenbogens und Botin der Götter) den Hinweis, sich hoch auf den Mimas-Berg zu begeben, um ihren Gatten Zeus bei dessen Liebesabenteuern mit anderen Göttinnen und sterblichen Wesen in flagranti zu ertappen. Südwestlich des Mimas-Berges liegt ein im Sommer trocken fallenden kleiner See, der Iris-See heisst.

 

 

 
 
 
 
Çaka Bey, brachte die Karaburuner Halbinsel zum ersten Mal unter der Kontrolle des Aydinogullari Sultanates

 

Der Riese Mimas wurde abgebildet als eine fürchterliche Kreatur, mit einem menschlichem Oberkörper und Beine in der Form von zwei Schlangen oder Eidechsen.

 
Die in der Psychologie als “Narzissus Komplex” bezeichnete Pathologie, entlehnt seinen Namen an der Narzissus Geschichte.

 

Homerus, Autor des Iliades und Odyssees sollte in dieser Region geboren sein und dort gelebt haben. 

 
 

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